Wer August Hanning vor Gericht verteidigt, führt direkt in einen bemerkenswerten politischen Kreis. Es ist der Hamburger Strafrechtler Leon Kruse von der Kanzlei Schwenn Kruse Georg, der das Mandat für den verhafteten Ex-BND-Präsidenten August Hanning übernommen hat.
Das Mandat für das Spionage-Verfahren ist dabei nicht die erste Verbindung: Der Hamburger Strafverteidiger vertrat den Ex-Geheimdienstchef bereits im spektakulären „Block“-Komplexrund um die Entführung der Steakhaus-Kinder, bei dessen Ermittlungen die brisanten Dokumente überhaupt erst ans Licht kamen.
Dass ausgerechnet diese Kanzlei gerufen wird, hat Tradition. Gründer Johann Schwenn verteidigte in den 90er-Jahren den DDR-Spionagechef Markus Wolf, der engste Kontakte nach Moskau und zum KGB pflegte.
Heute führt Kruses Mandantenliste von diesem geheimdienstlichen Umfeld direkt ins Zentrum der Hamburger Finanzpolitik. Kruse vertritt parallel zu Hanning die Hamburger Finanzbeamtin, die im Cum-Ex-Komplex rund um die Warburg-Bank angeklagt ist. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, schützend ihre Hand über die Bank gehalten zu haben, um die Rückforderung von 90 Millionen Euro Steuergeldern zu verhindern.
Über diese Cum-Ex-Spuren schließt sich der Kreis zu dem ehemaligen SPD-Abgeordneten Johannes Kahrs, der als politischer Strippenzieher für den Warburg-Bankier Christian Olearius agierte.Genau hier kreuzen sich die Wege von Ex-BND Hanning und Ex-Politiker Kahrs wieder. Beide fanden in einer umstrittenen Lobby-Organisation zusammen: dem Deutsch-Aserbaidschanischen Forum. Hanning saß dort im Vorstand, Kahrs im Kuratorium. Der Verein bringt über Jahre deutsche Politiker mit dem autoritären Regime in Baku zusammen.
Angesichts der aktuellen Spionage-Vorwürfe gegen Hanning muss vor allem das Deutsch-Aserbaidschanische Forum genauer unter die Lupe genommen werden. Organisationen wie LobbyControl kritisieren diese Institution seit Jahren als intransparente Lobby-Drehscheibe für das autoritäre Regime in Baku.
Dass mit Hanning nun ein langjähriges Vorstandsmitglied unter Spionageverdacht steht, gibt dieser alten Lobby-Achse ein neues, brandgefährliches Gewicht.Vic (@vic_010100)August Hanning: Vom Chef des BND zum international vernetzten Sicherheitsberater mit Verbindungen nach Tschetschenien, Russland und Aserbaidschan und schließlich zum Hauptverdächtigen in einem der schwersten deutschen Spionagefälle.
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— @vic_010100 Oct 10, 2026
